Noch 308 Tage bis zur Anmeldung.
Noch 336 Tage bis zum Herbstfest.
Zeitungsbericht Tauberzeitung/Fränkische Nachrichten 20.09.2017

Eine Hochzeit bedeutet das "Aus"

Der Winzertanz Tradition beim Herbstfest / Arnd Wollinger hält die Beteiligten seit 17 Jahren auf Trab / Tolle Gemeinschaft

Der Niederstettener Winzertanz hat eine lange Tradition. Intensiv bereiten sich die Tänzerinnen und Tänzer Jahr für Jahr auf das Herbstfest und ihre dortigen Auftritte vor.

Niederstetten. Arnd Wollinger hält die 32 Paare auf Trab. Das Training für den Winzertanz ist schweißtreibend, trotz abendlicher Kühle auf dem flutlichtbeleuchteten alten Niederstettener Sportplatz.

Die Kommandos sind kurz, meist genügt ein Signal mit der Trillerpfeife, und schon formieren sich die Paare um, bilden Figuren wie "Kleiner Kreis", "Vier Burschen, "vier Mädchen", "Familienstern" oder "Welle". Fast alles geschieht im Trab zu flotter Volksmusik. "Lockerer Dauerlauf" nennen es die Akteure augenzwinkernd und noch etwas außer Atem.

Beim Niederstettener Winzertanz handelt es sich um keinen Verein, sondern um einen lockeren Zusammenschluss. Mit langer Tradition allerdings, denn es gibt ihn schon seit 1925. Die Saison ist kurz, alle Jahre wieder gerade mal sechs Wochen. Das reicht, um die Show für die zwei Auftritte während des Herbstfestes an acht Abenden einzustudieren, fröhliche Gemeinschaft zu pflegen und sich näher zu kommen.

"Grüne" und "Rote" Viele Bünde fürs Leben sind aus Tanzpartnerschaften schon entstanden, wissen Markus Martin und Michael Hau. Die beiden sind die "Könige", sprich Dienstältesten, der jungen Truppe.

Zwei sind es, weil die Winzertanz-Truppe aus "Grünen" und "Roten" besteht, angelehnt an die Farben der Weintrauben. Lisa Price (grün) bildet zusammen mit Michael (zum 13. Mal dabei) ein Königspaar, Nathalie Weinmann "regiert" mit Markus (18 Jahre dabei) die "Roten". Wobei sich die Gruppenältesten eher als Primi inter Pares sehen, stete Ansprechpartner und Mitorganisatoren sind. A propos Farbe: Während die männlichen Winzertänzer ihrer Farbe treu bleiben, dürfen die jungen Damen durchaus Tanzpartner und Kostüm wechseln - schließlich sind längst nicht alle fest liiert. Weiteres Gesetz: Alle Winzertänzer sind ledig - eine Hochzeit beendet das Engagement.

32 Paare werden in diesem Jahr auftreten. Überraschend wenig. 2016 habe man nicht mal alle Interessenten aufnehmen können, da nur 96 Kostüme vorhanden sind, aber über 48 Paare mitmachen wollten. Was genau ursächlich für den "krassen personellen Einbruch" 2017 ist, kann sich Markus Martin auch nicht so recht erklären. Alter, Beruf, Studium - es gibt viele Möglichkeiten. Dass aber die Attraktivität des Winzertanzes abnimmt, glauben er und Michael Hau auf keinen Fall. "Ein echter Steidemer muss wenigstens einmal beim Winzertanz mitgemacht haben", laute das ungeschriebene Gesetz, das für Gruppendynamik bei den Jung-Niederstettenern sorge.

Die tolle Gemeinschaft sei es, die immer wieder Nachwuchs anziehe - in diesem Jahr sind wieder acht neue Tänzerinnen und Tänzer dabei. Von Ende August bis zum Ausflug zwei Wochen nach dem Herbstfest ist die Truppe eng beieinander: "Eine schöne Zeit, auf die man sich jedes Jahr freut", so Markus Martin.

Der Winzertanz ist fest in Niederstetten verortet. Anderswo wird nicht aufgetreten, Anfragen werden freundlich negativ beschieden. Ausnahmen bestätigen freilich die Regel: Zwei Mal gab es bereits Aufführungen in der französischen Partnerstadt Le Plessis-Bouchard. Auch bei Hochzeiten kommen die Winzertänzer immer wieder mal zusammen, um Spalier zu stehen. Und neben dem Tanz gibt es ja auch noch den Herbstfestlauf, die Mitwirkung beim Festzug und ein Fußballspiel "Rot" gegen "Grün".

Arnd Wollinger, der seit 17 Jahren Regie auf dem Platz führt, war zuvor selbst 20 Jahre aktiver Winzertänzer. Er ist zufrieden mit seiner Truppe: "Es klappt wie am Schnürchen". Jetzt noch in Freizeitkleidung, am Herbstfestsonntag und - besonders romantisch - am Herbstfestmontagabend bei Fackelschein, werden die jungen Winzertänzer in ihren grünen und roten Kostümen binnen etwa 20 Minuten demonstrieren, wie sie kleine Kreise, Stern und Welle so draufhaben.